Lónya
Kehren wir von Benk zurück nach Osten, überqueren wir die Theiß mit der Fähre, dann kommen wir im Dorf Lónya, ganz nahe der ukrainischen Grenze, an. Dort werden wir von kleinen Häusern, traditionsbewußten fleißigen Menschen und mit Versen versehenen Grabhölzern auf dem Friedhof empfangen. Nach dem Volksglauben wurde das Dorf von Hirten und Holzschitzern gegründet, der Name des Dorfes diente dann der adligen Besitzerfamilie, die eine große Rolle im Leben des Komitats spielte, als Familienname. Am Ende des XIV. Jahrhunderts spaltete sich das Dorf in zwei Siedlungen: in Kislónya und Nagylónya. Die Familie Lónyay wohnte in Nagylónya in einem Schloß, das auch Burg oder Erdburg genannt wurde, die 1567 aus politischen Gründen von der Familie selbst oder aber von den Tataren zerstört wurde. 1934 wurden Kis- und Nagylónya vereinigt, seitdem heißt der Ort Lónya. Einst lag das Dorf näher zur Theiß, aber wegen der Überschwemmungen siedelte es sich höher, am heutigen Platz, an. Obwohl das Dorf umgebaut wurde, sind einige für das alte Dorf charakteristische sog. Kehlen-Bausen erhalten geblieben. Ihre Eigenart besteht darin, daß sie die ganze Breite der schmalen Grundstücke einnehmen und entlang des Hofes eine Bausenwand bilden. Diese alten Gebäude sind noch in der Kossuth und Árpád vezér utca zu sehen. Heute leben im Dorf, das sich an der Hauptstraße befindet, 900 Einwohner, die überwiegend Weizen, Mais, Sonnenblumen, Äpfel, Nüsse und Pflaumen produzieren.
Das Dorf ist klein, aber es hat viele Sehenswürdigkeiten. Die reformierte protestantische Kirche im romanischen Stil mit dem bemalten Kassettenplafond aus dem XIII. Jahrhundert steht in der Kossuth utca 91. Die Kirche besteht aus einem Raum, besitzt keinen Turm. Die Fresken in ihrem Sanktuarium, deren Spuren auf der nördlichen Wand noch 1881 sichtbar waren, wurden überkalkt. Der bemalte Kassettenplafond entstand 1776. Der im Garten der Kirche auf einem Balkengrund stehende Glockenturm mit vier Seitentürmen aus dem Jahre 1781 ist ein Kunstdenkmal. Rumpf und Dach sind mit Holzschindeln bedeckt, der Helm des 26,5 Meter hohen Turmes ist mit vier kleineren Türmen - Sohntürmen - geschmückt. Dieser Glockenturm mit seinem schlanken, harmonischen, besonders hohen Helm ist ein wertvolles Vermächtnis, auch deshalb interessant, weil für die Zimmermannsarbeit kein einziger Eisennagel, sondern nur Holzdübel verwendet wurden. Im berühmten Friedhof von Lónya steht neben den berühmten Grabhölzern aus dickem Eichenholz die Grabkapelle der Familie Lónyay. Das neogotische Gebäude wurde im vergangenen Jahrhundert für die hier ruhenden Familienmitglieder errichtet.
Ein 6,3 Hektar großer Schloßpark gehörte zum Lónyay-Schloß, das 1965 abbrannte. Im Park sind noch einige interessante Pflanzen zu sehen: die Allee aus Kastanien, fünf 26 Meter hohe Pyramideneichenbäume, die schon mindestens 120 Jahre alt sind, aber auch die Früh- und Tatarenahornbäume sind mehr als 100 Jahre alt. Den Reichtum der Natur zeigt ein in der Long-Wiese stehender 25 Meter hoher Elmbaum von 3 Meter Umfang, desweiteren im Überschwemmungsgebiet die riesige, 29 Meter hohe Weißpappel, deren Stamm einen Umfang von 18 Metern hat, wie auch der 22 Meter hohe Grenzbaum von Lónya. Der Wald von Lónya ist Teil des Szabolcs-Szatmár-Bereger Naturschutzgebietes. Der Wald an der Grenze besteht aus Eichen, Hagebuchen, Eschen und Ulmenbäumen. Die ältesten Teile des Waldes sind mehr als 70-80 Jahre alt, aber auch die jüngeren sind schon über 50 Jahre. Der Wald ist dermaßen geschlossen, daß sogar 50 Edelhirsche mit kapitalem Geweih hier leben. Auch Wildschweine, Rehe, Wildkatzen, Schwarzstörche und Vipera-Schlangen leben hier. Deswegen wird jedem angeraten, bei der Erforschung des Waldes Gummistiefel zu tragen. Auch ein Jägerhaus steht hier zu Verfügung.
Wichtige Adressen: Bürgermeisteramt: Kossuth út 39, Tel.: 45/443 001, Arzt: Rózsa út 20, Tel.: 45/443 004, Polizeibeauftragter: in Tiszaszalka, Fernrufvorwahl: 45, Eisenbahnstation: 35 Kilometer entfernt in Vásárosnamény, Autobushaltestelle: im Ort. Unterkunftsmöglichkeit für 30 Personen im Touristenhaus. Information: im Bürgermeisteramt.
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